Mut zum Weiterdenken
Was heute ausserhalb der gängigen Praxis liegt, könnte morgen bereits Standard sein. Mit MOA-Cycle stellt die MOAG ein Mischgut mit einem Recyclinganteil von bis zu 90 Prozent vor, das sich auch für Deckschichten eignet. Sie fordert damit Bauherrschaften auf, die Kreislaufwirtschaft noch konsequenter mitzudenken.

Ist die Kreislaufwirtschaft ein Zukunftsthema? Von wegen! Für die MOAG ist sie seit über 20 Jahren fest im Alltagsdenken integriert. Das Unternehmen verfolgt beharrlich sein Ziel, Ausbauasphalt vollständig wieder in den Materialkreislauf zurückzuführen. Der neueste Streich aus dem MOAG-Entwicklungsteam heisst MOA-Cycle: eine Asphaltmischung mit bis zu 90 Prozent Recyclinganteil, die aufzeigt, welches Potenzial in der Wiederverwertung der hochwertigen Rohstoffe steckt. Denn MOA-Cycle kann überall dort eingesetzt werden, wo sich das Verkehrsaufkommen moderat verhält – ohne Qualitätseinbusse.
Gewohnheiten durchbrechen
Die MOAG bietet neben den klassischen, normierten Mischgütern bereits seit einigen Jahren eigene Entwicklungen als MOA-Asphalte an. Diese Mischungen werden beispielsweise auf Meliorationsstrassen, Gehwegen, Zufahrten, auf Werk- und Vorplätzen sowie auf Strassenabschnitten mit weniger belastendem Verkehrsaufkommen verwendet.
Die konventionell eingesetzten Strassenbeläge basieren auf klar definierten Anforderungen und Eigenschaften wie Griffigkeit, Tragfähigkeit, Verformungsbeständigkeit, Ermüdungswiderstand, Ebenheit, Lärmminderung und Recyclierbarkeit. Dazu braucht es Asphaltmischgut, das den jeweiligen Anforderungen gerecht wird und bestimmte Eigenschaften berücksichtigt, unter anderem Korngrössenverteilung, Hohlraumgehalt, Widerstand gegen Polieren, Frostsicherheit, Standfestigkeit und Verdichtbarkeit.
Die Schweizer Normen regeln dabei, wie viel Ausbauasphalt je nach Einsatzbereich eingesetzt werden darf. Die zulässigen Anteile unterscheiden sich deutlich nach Schicht: Während die Anforderungen bei Deckschichten besonders hoch sind, erlauben Binder-, Trag- und Fundationsschichten deutlich grössere Mengen Recyclingmaterial. Gemäss den aktuellen Normen sind die zulässigen Warmzugaben: bis zu 40 Prozent bei Deckschichten (ohne Spezialdeckschichten), bis zu 60 Prozent bei Binderschichten, bis zu 80 Prozent bei Tragschichten und bis zu 100 Prozent bei Fundationsschichten, wobei sämtliche Mischgutnormwerte eingehalten werden müssen, zum Beispiel Bindemittelgehalt, Hohlraumgehalt und Kornzusammensetzung.
MOA-Cycle auf einen Blick:
Recyclinganteil bis zu
90%
Spezifikationen
MOA-Cycle 8, 11, 16, 22
Einsatzbereiche
Zufahrten, Werk- und Industrieplätze, Geh- und Velowege, verkehrsarme Quartierstrassen
Verfügbar ab 2027 in allen MOAG-Werken ausser am Standort Weiningen.
Den Kreislauf schliessen
Die MOAG betrachtet diese Richtlinien bewusst nicht als Grenze der Machbarkeit. «Normen sind wichtig. Sie geben Sicherheit. Aber sie dürfen nicht verhindern, dass wir neue Lösungen ausprobieren», sagt Georg Klein, Technischer Leiter bei der MOAG. «Wenn wir es schaffen, auch für Deckschichten deutlich höhere Recyclingquoten zu erreichen, sind wir dem Ziel einer vollständigen Kreislaufwirtschaft einen grossen Schritt nähergekommen.» Aus diesem Grund orientierte sich das Team bei der Entwicklung des MOA-Cycle zwar an den bestehenden schweizerischen und europäischen Regelwerken, überschritt aber die klassischen Grenzen. Wichtig waren fundierte Prüfungen und die gezielte Abstimmung auf die Anforderungen des jeweiligen Einsatzbereichs.
«Es gibt enorm viele Anwendungsbereiche, in denen es Sinn ergibt, die gängigen Normen zu überschreiten», betont Georg Klein. Er hat immer wieder Bauherrschaften erlebt, die durchaus mutig waren und innovative Lösungen suchten. «Im Fürstentum Liechtenstein haben wir beispielsweise eine MOA-Mischung für einen Kreisel geliefert.» Das MOAG-Team würde es sehr begrüssen, wenn es mehr solche Initiativen von Seiten der Bauherrschaften gäbe: «Es braucht Menschen, die bereit sind, neue Wege zu gehen und Projekte nicht nur über den Preis betrachten.»
«Normen sind wichtig. Aber sie dürfen nicht verhindern, dass wir neue Lösungen ausprobieren.»
Georg Klein,
Technischer Leiter MOAG
Rezepte aus der Asphaltküche
Warum das Team der MOAG sicher ist, dass seine MOA-Beläge die nötigen qualitativen Anforderungen erfüllen? Durch Ausprobieren. Die Entwicklung eines neuen Mischguts erinnert tatsächlich ein wenig an die Arbeit eines Kochs. «Wir testen, verändern die Zusammensetzung und tasten uns Schritt für Schritt an das optimale Rezept heran», sagt Georg Klein. Zu Beginn einer solchen Entwicklung werden erste Berechnungen erstellt und Versuche im Werk durchgeführt. Pro Testlauf entstehen rund 20 Tonnen der neuen Asphaltmischung. Anschliessend wird geprüft, analysiert und optimiert.
Dabei arbeitet die MOAG eng mit Fachlaboren zusammen. Sie untersuchen die Proben und testen die Eigenschaften des Mischguts im Detail. Danach geht es in die Pilotphase. Auf ausgewählten Baustellen wird der Belag verbaut und erneut geprüft. Erst wenn die technischen Anforderungen erfüllt sind und die praktischen Erfahrungen positiv verlaufen, gibt das MOAG-Team die Mischung für den breiten Einsatz frei.
«Manchmal funktioniert eine Entwicklung bereits nach einem Versuch, manchmal braucht es mehrere Anläufe», erzählt Georg Klein. «Wichtig ist, dass wir die Grenzen des technisch Machbaren ausloten und das Recyclingpotenzial Schritt für Schritt weiter ausschöpfen.»

Auf zum neuen Standard
Erste Pilotprojekte mit MOA-Cycle wurden bereits umgesetzt – etwa bei Vorplätzen und Zufahrten. Die Erfahrungen dabei waren durchwegs positiv. Das ermöglicht es, die neue Mischung ab 2027 fest ins Sortiment aufzunehmen. Für Bauherrschaften heisst das ab sofort: «Denken Sie lieber einmal mehr darüber nach, welche Anforderungen Ihr Projekt tatsächlich erfüllen muss, bevor Sie sich an der gängigen Praxis orientieren. Gerade für Flächen und Strassen mit geringer Belastung ist MOA-Cycle eine interessante Alternative.»
Das MOAG-Team hofft unter der neuen technischen Leitung von Philip Schifferle, dass künftig mehr Bauherrschaften und Projektverantwortliche bereit sind, über etablierte Lösungen hinauszudenken und neue Wege zu wagen. «Für uns ist die Kreislaufwirtschaft keine Option, sondern eine Notwendigkeit», betont Philip Schifferle. «Die technischen Möglichkeiten sind da. Jetzt braucht es Planer und Bauherren, die den Spielraum nutzen und den Einsatz innovativer Lösungen ermöglichen.»
Text: Carmen Püntener