«Lösungen ent­stehen mit Menschen für Menschen»

    Seit Februar 2026 leitet Matthias Fuchs das Tiefbauamt des Kantons St.Gallen. Der ehemalige Stabschef der Direktion Planung und Bau der Stadt St.Gallen bringt eine Kombination aus technischem und juristischem Fachwissen sowie politischem Verständnis in seine Aufgabe ein. Im Gespräch erzählt er von sich, seinen Werten, seinen Zielen und wie er navigieren will.

    Matthias Fuchs, wie sind Sie in Ihren neuen Job gestartet?
    Mit viel Energie. Und mit dem grossen Drang, zu verstehen, zuzuhören und zu lernen. Ich möchte das Tiefbauamt, die Abläufe, die Strukturen, die Prozesse, die Projekte und allem voran die Mit­arbeitenden und ihre Tätigkeiten kennenlernen. Ich möchte he­raus­fin­den, was gut läuft und wo wir uns ge­meinsam weiterentwickeln können.

    Was hat Sie an dieser Aufgabe besonders gereizt?
    Der Strassenbau liegt mir am Herzen, genauso wie der Kanton St.Gallen. Für mich ist es ein Schritt vorwärts, und zugleich kehre ich zu meinen Wurzeln als Bauingenieur zurück.

    Sie kommen aus der Stadt St.Gallen. Was bewirkt der Wechsel auf die kantonale Ebene?
    St.Gallen ist ein Ringkanton und sehr divers: Das Rheintal funktioniert anders als See-Gaster oder das Toggenburg. Jede Region hat ihre Vorzüge und Eigenheiten, sowohl in Bezug auf die Geografie als auch auf die Menschen. Ich möchte den Menschen auf Augenhöhe begegnen und gemeinsam mit den Mitarbeitenden des Tiefbauamts, den Regionen sowie den Gemeinden die richtigen Lösungen finden und um­setzen. Eine meiner Aufgaben wird es zudem sein, gegenseitiges Verständnis für die Anliegen von Stadt- und Land­regionen zu schaffen.

    Steckbrief

    Name: Matthias Fuchs

    Erstes eigenes Auto: Ein roter Traktor, mit dem ich als Dreijähriger durch die St.Galler Altstadt gesaust bin.

    Lieblingsfahrstrecke: Toggenburg, von Wattwil nach Wildhaus.

    Lieblingsbaumaschine: Die Walze. Sie hat etwas Meditatives, wenn man ihr länger zuschaut.

    Was auf keiner Baustelle fehlen darf: Gute Laune.

    Welche Werte bringen Sie in Ihren neuen Job mit?
    Unsere Arbeit dient den Menschen. Wir bauen, erhalten, unterhalten und planen die Strassen des Kantons – für die Be­völkerung. Wichtig sind mir Offenheit, Ehrlichkeit und Respekt. Als Kantons­ingenieur gilt es aber auch, Entscheidungen zu treffen – teilweise schwierige.

    Sie kennen sowohl die operative Ebene des Tiefbaus als auch die strategisch-politische Sicht. Hilft das?
    Klar, das hilft. Das Ziel ist, stets eine fachlich überzeugende Antwort auf einen Sachverhalt zu erarbeiten. Sie muss nachhaltig und wirtschaftlich sein. Die politische Umsetzbarkeit gilt es mitzudenken.

    Das St.Galler Tagblatt bezeichnete Sie als einen «von allen Seiten geschätzten Verhandlungsführer». Ein schönes Kompliment …
    Ich fühlte mich sehr geehrt. Meine Familie, allen voran mein Vater, war mit Stolz erfüllt (lacht).

    «Wenn über den Strassen­bau geredet wird, ist das ein gutes Zeichen.»

    Matthias Fuchs, Leiter Tiefbauamt Kanton St.Gallen

    Matthias Fuchs, Leiter Tiefbauamt Kanton St.Gallen

    Was macht Ihre Verhandlungskompetenz aus?
    Wenn ein Anliegen auf dem Tisch liegt, prüfe ich es unvoreingenommen. Erst wenn die Verhandlungsparteien die Rahmenbedingungen kennen und die Absichten des Gegenübers verstehen, sind überzeugende Ergebnisse möglich. Ich möchte das Fundament für Lösungen legen, die beiden Seiten Mehrwert bringen. Es ist wichtig, die Menschen hinter dem Verhandlungsgegenstand zu verstehen.

    In Ihrer neuen Funktion wurden Sie am 8. März 2026 gleich mit einem Abstimmungserfolg belohnt: Die «Kantonsstrasse zum See» wird gebaut. Sind Sie froh?
    Das ist natürlich ein sehr schöner Start. Das Projekt zeigt, was möglich ist, wenn Vorhaben ganzheitlich geplant werden. Die «Kantonsstrasse zum See» ist Sinnbild für eine gute Abstimmung zwischen Siedlung, Siedlungs­ent­wicklung und Verkehr. Was bei diesem Projekt auf fachlicher Ebene ge­leistet wurde, ist grossartig – sowohl vom Kanton als auch von den Gemeinden, den beteiligten Planern und der Politik. Das Abstimmungsergebnis zeigt auch: Gute und ganzheitlich gedachte Projekte sind und bleiben mehrheitsfähig.

    Welchen Stellenwert haben Qualitäts- und Nachhaltigkeitskriterien in Submissionsverfahren?
    Einen hohen. Qualitäts- und Nachhaltigkeitskriterien müssen jedoch mess- und bewertbar sein. Qualität lässt sich nicht gleich bewerten wie beispiels­weise der Preis. Das kantonale Tiefbauamt verfügt über das nötige Verständnis, die entsprechenden Kompetenzen, hoch qualifizierte Fachleute und ein klares Bekenntnis zur Kreislaufwirtschaft. Doch letztendlich sind wir neben Nachhaltigkeitskriterien auch der Wirtschaftlichkeit verpflichtet.

    Verdichtet

    Nennen Sie jeweils drei ungefilterte Gedanken zu folgenden Begriffen:

    Navigation
    Führen, steuern, entscheiden

    Submissionswesen
    Spielraum im Rahmen der gesetzlichen Schranken nutzen

    Feierabend
    Habe ich auch irgendwann

    Bürokratie
    Nicht mein Ding

    Recyclingasphalt
    Weiterentwickeln, Chancen sehen, Risiken abschätzen

    Familie
    Das Wichtigste

    Der Tiefbau wird oft nicht präsent wahrgenommen. Wie sehen Sie das?
    Das sehe ich nicht so. Zu Mobilität und Strasse hat jede und jeder eine Meinung. Gerade bei Strassenausbauten, insbesondere bei Grossvorhaben, ist die Diskussion in der Öffentlichkeit intensiv und teilweise emotional. Das ist gut so, der Diskurs ergibt Sinn. Wir können lernen und uns weiter­entwickeln.

    Ist der hohe finanzielle Aufwand für den Erhalt der Strasseninfrastruktur in der Schweiz gerechtfertigt?
    Eine Strasse soll ihre Funktion nach­haltig und dauerhaft erfüllen können. Dafür braucht es langfristig aus­reichend finanzielle Mittel. Die Mittel sorgsam und zum richtigen Zeitpunkt einzusetzen, ist unsere Verantwortung. Dieser kommen wir nach. Unsere Kantonsstrassen werden regelmässig und systematisch auf ihren Zustand überprüft. Daraus wird kurz-, mittel- und langfristiger Handlungsbedarf abgeleitet. So können wir priorisieren und planen. Alle, die Politik, die Verwaltung sowie Planende, Strassenbauer und Zulieferer ebenso wie die MOAG, tragen ihren Teil dazu bei. Es braucht alle, damit wir die Projekte zum richtigen Zeitpunkt, wirtschaftlich und erfolgreich realisieren können.

    Was fasziniert Sie am Material Asphalt?
    Es ist ein wandelbares und spannendes Material: seine Elastizität, seine Re­zy­klierfähigkeit. Die Möglichkeit, mit verschiedenen Rezepturen auf unterschiedlichste Anforderungen zu reagieren. Ob Strassenlast oder Höhenlage oder Anforderungen in Bezug auf Lärmreduktionen: Asphalt ist ein gross­­arti­ges Gemisch, das sowohl Gestein mit Bit­umen als auch Menschen verbindet.

    Unser Heftthema heisst «Navigieren». Wie navigieren Sie durch den Alltag?
    Mit Struktur. Mit einem Plan, den ich im Dialog gemeinsam mit einem starken Team Schritt für Schritt umsetzen möchte. Ich bin kein Formalist. Jeder Tag bringt neue Herausforderungen, die es zu lösen gilt. Das ist es, was mich motiviert: Lösungen mit Men­schen für Menschen zu finden.

    Was möchten Sie in Ihrer Amtszeit unbedingt erreichen?
    Ich möchte gemeinsam mit allen Mitarbeitenden im Tiefbauamt Strassen, Wege und Brücken bauen – für heute und für die Zukunft, für den Kanton St.Gallen und darüber hinaus.

    Matthias Fuchs, *1980, ist gelernter Bauzeichner und Bauingenieur sowie Jurist. Zuletzt arbeitete er bei der Stadt St.Gallen, zunächst als Projektleiter für die Umgestaltung der südlichen Altstadt inklusive Gallusplatz, später übernahm er die Funktion des Stabs­chefs der Direktion Planung und Bau. Parallel dazu schloss er ein Studium der Rechtswissenschaften an der Universität St.Gallen ab. Im Februar 2026 wechselte er zum Kanton St.Gallen, wo er die Stelle als Kantonsingenieur übernahm. Matthias Fuchs ist verheiratet und Vater zweier Töchter.

    Interview: Carmen Püntener, Bild: Beat Belser