Pump ’n’ Flow
Pumptracks sind Strassen der besonderen Art: Auf ihnen ist Action angesagt! Die asphaltierten Parcours für Skater und Biker weisen Steilwandkurven und Wellen auf, wie es sie sonst nirgends gibt. Aussergewöhnlich verlaufen auch die Planung, die Projektierung und der Bau der Anlagen. Experte Claudio Caluori zeigt auf, worauf es ankommt.

«Steile Kurven sind unser Markenzeichen, denn sie bieten für alle eine Herausforderung», sagt Claudio Caluori. Der Gründer, Eigentümer und CEO der Firma Velosolutions aus dem Kanton Graubünden – selbst ehemaliger Profibiker – hat sich mit seinem Team vor rund 20 Jahren auf den Bau von Pumptracks spezialisiert. Diese Trails bestehen aus Bodenwellen und Steilwandkurven. Wer sich darauf fortbewegen möchte, nutzt ein Bike, ein Skateboard, Inlineskates oder einen Scooter. Beschleunigt wird mittels Stoss- und Ziehbewegungen des Körpers: ein ganzheitliches Training mit spielerischem Aspekt, bei dem nicht nur die Sportgeräte eine Rolle spielen. Auch auf den Untergrund kommt es an, sprich auf den Asphalt. «Entscheidend ist, dass die Mischung möglichst fein ist und einen hohen Bitumengehalt aufweist», verrät Claudio Caluori. «Das führt dazu, dass der fertige Belag sehr fein und dennoch griffig wird und gut verdichtet werden kann.»
Auf Erfahrungen aufgebaut
Knapp 200 Pumptracks hat Velosolutions bisher in der Schweiz realisiert, weltweit sind es demnächst 1000, jährlich kommen bis zu 200 weitere hinzu. «Jeder Parcours ist ein Unikat», hebt Claudio Caluori hervor. «Denn der verfügbare Platz und das Gelände sind überall anders.» Diese Ausgangslage und die auffällige Beschaffenheit der Fahrbahnen sind der Grund dafür, dass die sogenannten Shaper von Velosolutions auf ihren Baustellen vorwiegend Handarbeit leisten. Und nicht nur das: Claudio Caluori ist es ein Anliegen, dass seine Mitarbeitenden neben der Erfahrung aus dem Strassen- oder Gartenbau auch Kenntnisse als Rider mitbringen. «Der sportliche Hintergrund hilft ihnen dabei, die Formen eines Tracks zu verstehen und diesen entsprechend zu gestalten», erklärt der CEO. Nur so erreiche man eine harmonische Streckenführung, die sowohl für Neulinge als auch für Fortgeschrittene ausreichend Spannung biete. Claudio Caluori hat sich sein Wissen rund um Asphalt direkt im Arbeitsalltag angeeignet. Zugute kam ihm dabei, dass er bereits zu Beginn seiner selbstständigen Tätigkeit die Gelegenheit hatte, einen Mischgutproduzenten zu besuchen. «Mein Zugang ist aber klar die sportliche Perspektive», betont er. «Und ich sehe den Asphalt als Grundlage dafür, als Mittel zum Zweck.»
«Steile Kurven sind unser Markenzeichen, denn sie bieten für alle eine Herausforderung.»
Claudio Caluori,
CEO von Velosolutions Schweiz GmbH
Vom Gelände zur Strecke
Jeder neue Pumptrack, den Velosolutions in Angriff nimmt, beginnt mit einer sorgfältigen Planung in Absprache mit der Kundschaft. «Unsere Projektleiter sichten den Ort, und das Designteam skizziert anschliessend einen oder mehrere Vorschläge», erklärt Claudio Caluori. Dabei ist es für das Team entscheidend, das bestehende Gelände als Ausgangslage zu verwenden. «In der Regel vermeiden wir grosse Erdverschiebungen und Terrassierungen, denn diese sind nicht nachhaltig, weil sie aufwendig sind.» Velosolutions begleitet die Auftraggeber – häufig Gemeinden oder Schulen – bei ihren Pumptrack-Vorhaben von A bis Z. Je nach Zielgruppe, so Claudio Caluori, könne die Rollbahn anders ausgeprägt sein. «Für Anfänger eignen sich rundere Formen, während Fortgeschrittene spitzere Absprünge bevorzugen.» Während der Projektierungsphase stehen auch die Koordination und die Berechnungen an. Die Zeit bis zur Bewilligung umfasst teilweise mehr als ein Jahr, bauen lässt sich ein Pumptrack innert drei bis vier Wochen. Durchschnittlich verwendet das Team pro Anlage 100 bis knapp 200 Tonnen einer geeigneten Asphaltmischung, abhängig von den Dimensionen des Pumptracks. «Das Mischgut beziehen wir stets von lokalen Anbietern, in der Ostschweiz vor allem bei der MOAG», so Claudio Caluori.
Ein stimmiges Gesamtpaket
Aufgebaut ist ein Velosolutions-Pumptrack wie eine klassische Strasse. Die Basis besteht aus ungebundenem Kies, mit dem die Form der Strecke ausgebildet wird. Diese Fundationsschicht ist tragfähig und stabil. «Bereits darauf unternimmt unsere Baucrew ihre erste Probefahrt», sagt Claudio Caluori. «Und erst dann, wenn alle Beteiligten die Route für gut befunden haben, folgt die Asphaltierung.» Um diese auszuführen und den Belag zu verdichten, nutzt Velosolutions kompakte motorbetriebene Vibroplatten. «Beim Belagseinbau braucht es ein Gespür fürs Timing», erklärt der siebenfache Schweizer Meister im Downhill-Mountainbiking. Neben der geeigneten Ausstattung und dem passenden Material zählen hier auch Handwerk, Erfahrung, Durchhaltewille und Geduld. «Freudiger Ehrgeiz gehört ebenso dazu», fügt der engagierte Bündner hinzu und lacht. «Das gilt in unserem Job genauso wie im Sport.»
Hilfsprojekt «Pump for Peace»
Unter dem Namen «Pump for Peace» engagiert sich das Team von Velosolutions seit über zehn Jahren international für den Bau von Pumptracks. Das Ziel besteht darin, Action-Sportarten und namentlich den Radsport für alle zugänglich zu machen. «Unabhängig von ihrer Herkunft, ihrem Geschlecht und ihrer Religion hat der Sport die Kraft, Menschen auf der ganzen Welt zu verbinden und zu einem aktiven Lebensstil beizutragen», lautet die Vision der Initianten. Die Toleranz und das Miteinander zu fördern, ist ihnen dabei ein wichtiges Anliegen. Bisher hat «Pump for Peace» bereits 16 Pumptracks für benachteiligte Bevölkerungsgruppen in acht verschiedenen Ländern gebaut, zum Beispiel in Nepal, Uganda, Armenien und Lesotho.
Erfahren Sie mehr: pumpforpeace.com

Smartphone-App «Vorld»
Zu den aktuellen Meilensteinen von Velosolutions gehört die 2026 herausgegebene «Vorld»-App. Diese neue digitale Plattform bietet eine genaue Zeitmessung auf Pumptracks von Velosolutions und lässt die weltweite Community Punkte sammeln, um auf einem «Vorld Ranking» nach oben zu gelangen, also auf der Weltrangliste aller Rider.
Beim «Vorld Gate» handelt es sich um eine Hardware, die in den Pumptrack integriert ist. Wird das Handy während der Aktivität mitgeführt, erfasst die App die gefahrenen Rundenzeiten auf die Hundertstelsekunde genau. So werden die persönlichen Fortschritte dokumentiert, täglich neue Ranglisten erstellt und Punkte vergeben. Die Punkte zählen für das globale «Vorld Ranking».
Für alle Ambitionierten ist zudem die Verknüpfung mit den Velosolutions UCI Pump Track World Championships geplant. Damit soll man sich künftig über Leistungen in der App direkt für die Pumptrack-Weltmeisterschaften qualifizieren können. Das diesjährige Finale findet am 16. und 17. Oktober in Peking statt.
Text: Anina Rütsche, Bilder: Velosolutions Schweiz
