Neue Generation, solides Handwerk
Alle Wege führen nach Sursee. Zumindest, wenn es um den Strassenbau geht. Denn dort befindet sich die Berufsfachschule (BFS) Verkehrswegbau. Gemeinsam mit den Lehrbetrieben sichert sie die Grundbildung von aktuell über 1000 Lernenden. Geschäftsführer Florian Tschümperlin zeigt im Interview die Chancen des aktuellen Anmelderekords auf.

Auf dem Gelände des Campus Sursee üben die Lernenden ihr Handwerk und den Einsatz von Maschinen unter idealen Bedingungen.
Florian Tschümperlin, oft hört man aus der Baubranche, dass es herausfordernd sei, die Jugend für entsprechende Berufe zu begeistern. Wie erleben Sie das?
Im Verkehrswegbau zeigt sich ein anderes Bild. An der BFS verzeichnen wir derzeit mit total 1036 Lernenden im Schuljahr 2025/26 einen neuen Höchststand. Zuvor bewegten sich die Zahlen jeweils zwischen 960 und 980. Diese Entwicklung zeigt, dass Berufe aus unserem Sektor zukunftsfähig sind. Darauf bauen wir auf.
Worauf lassen sich die steigenden Lernendenzahlen zurückführen?
Einerseits könnte dies mit der demografischen Entwicklung zusammenhängen: Geburtenstärkere Jahrgänge befassen sich mit der Berufswahl und nehmen eine Erstausbildung in Angriff. Andererseits bin ich überzeugt, dass sämtliche Berufsbilder im Verkehrswegbau eine faszinierende Kombination von Handwerk und Technik bieten. Als Zugabe ist Bewegung dabei. Viele junge Menschen sehen das auch so. Vor allem im Strassenbau verzeichnen wir grossen Zulauf. Mit 740 Lernenden ist er unsere am stärksten besuchte Fachrichtung.
Welche Argumente sprechen für eine Ausbildung im Strassenbau?
Der Beruf ist in den vergangenen fünf bis zehn Jahren noch vielseitiger geworden. Das Klischee, dass Strassenbauer den ganzen Tag bloss schaufeln und pickeln, ist überholt. Unterdessen zählen wir längst auf den Einsatz von Maschinen und auf die digitale Unterstützung, etwa bei der Vermessung. Zudem sind die Karrieremodelle attraktiv. Die Weiterbildungspalette ist breit. Das gilt auch für unsere vier anderen Fachbereiche – für Gleisbauer, Pflästerer, Grundbauer sowie Industrie- und Unterlagsbodenbauer.
Für die Abschlussprüfungen wird in den Werkhallen des Campus Sursee ein reales Setting aufgebaut: Am ersten Tag stecken die Lernenden Werkfelder ab, dann folgen Versetz- und Belagsarbeiten.
Wie reagiert die BFS auf die allgemein zunehmende Nachfrage in der Grundbildung?
Fürs laufende Schuljahr konnten wir drei zusätzliche Klassen bilden. Ausserdem haben wir weitere Lehrpersonen beigezogen, die direkt aus der Berufswelt kommen. Dieser Aspekt ist unser wichtigstes Qualitätsmerkmal: Wir sind nahe an der Praxis und stets auf dem neuesten Stand, weil wir einen engen Austausch mit den Unternehmen aus der Branche pflegen und ihre Tätigkeiten ergänzen. So können wir eine Grundbildung gewährleisten, die der Nachfrage auf den Baustellen entspricht.
Wer ist die Zielgruppe der Schule?
Zum grössten Teil sind es junge Männer, die direkt nach der Oberstufe mit der Lehre beginnen. Derzeit sind jedoch auch 19 Frauen bei uns eingeschrieben – ich bin mir bewusst, dass das im Vergleich zu den über 1000 Männern ein sehr kleiner Prozentsatz ist. Doch auch hier gab es einen Anstieg.
Die Grundbildung der BFS Verkehrswegbau ist in Blockwochen gebündelt. Welche Vorteile bringt das mit sich?
Insgesamt verbringen die Lernenden pro Jahr rund zehn Wochen an der Schule – dies in mehreren Blöcken, die in der Regel je zwei Wochen dauern. Die Konzentration ist sinnvoll, weil sich die Lernenden damit vollumfänglich auf die Inhalte und auf mehrtägige Projekte konzentrieren können. Eine organisatorische Komponente fliesst ebenfalls ein. Da unser Einzugsgebiet die gesamte Deutschschweiz und teilweise die Romandie und das Tessin umfasst, bieten wir Übernachtungsmöglichkeiten im Internat an. Das spart Zeit und fördert den Lernerfolg sowie den Zusammenhalt. Die Freundschaften, die an unserer Schule entstehen, fördern zudem die Vernetzung in der Branche.
«Wir verzeichnen einen neuen Höchststand an Lernenden.»
Florian Tschümperlin, Geschäftsführer der BFS Verkehrswegbau
Welchen Stellenwert hat das praktische Arbeiten während der Blockwochen?
Es steht neben der Berufskunde an oberster Stelle. Besonders ist, dass wir auf dem Gelände des Campus über fünf Werkhallen verfügen, in denen unsere Lehrpersonen unabhängig von Temperatur und Witterung die überbetrieblichen Kurse durchführen. Grundlegende Fertigkeiten vermitteln wir hier Schritt für Schritt. Die Fachleute zeigen den Klassen, wie Fundamente gelegt, Pflastersteine gesetzt und Beläge eingebaut werden. Alle Lernenden setzen dies an ihrem eigenen Projekt in der Halle um. Weiter geübt und vertieft wird das Ganze dann im Alltag, draussen auf den Baustellen.
Welche Rolle spielt der Asphalt im Unterricht?
In der Fachrichtung Strassenbau ist Asphalt allgegenwärtig. Bei den Projekten in unseren Hallen verbauen wir jährlich rund 450 Tonnen. Hinzu kommen die 250 Tonnen, die wir jeweils für die Lehrabschlussprüfungen verarbeiten. Das Material beziehen wir von Lieferanten aus der Region. Nach Abschluss der Praxisprojekte müssen die Lernenden den Belag ausbauen und dem Recycling zuführen. Das gehört dazu, denn an unserer Schule sensibilisieren wir für alle Aspekte der Nachhaltigkeit.
Die heutige Berufswelt ist auch geprägt von vielen Wechseln und von Neuorientierung. Wie treu bleiben Verkehrswegbauer ihrem Beruf?
Auch hier zeigt sich in unserem Umfeld ein erfreuliches Bild. Umfragen zufolge bleiben über 70 Prozent unserer Absolventinnen und Absolventen nach Abschluss der Grundbildung längerfristig in dieser Branche. Auch das zeigt: Wir bieten im Strassenbau die richtigen Möglichkeiten und spannende Perspektiven.
Verkehrswegbau – Berufsrichtung mit Zukunft
Grundbildung
Die BFS Verkehrswegbau befindet sich auf dem Campus Sursee, der als führende Adresse für die Aus- und Weiterbildung von Baufachleuten in der Deutschschweiz gilt. Die Kernkompetenz der BFS ist die Grundbildung auf den Stufen EBA und EFZ. Fünf Berufsrichtungen stehen zur Auswahl. Neben den Strassenbauer*innen, die rund zwei Drittel der Lernenden ausmachen, besuchen angehende Gleisbauer*innen, Pflästerinnen und Pflästerer, Grundbauer*innen sowie Industrie- und Unterlagsbodenbauer*innen den Unterricht. Er umfasst Berufskenntnisse, Allgemeinbildung, Sport und überbetriebliche Kurse. Infra Suisse, die Branchenorganisation der im Infrastrukturbau tätigen Unternehmen, ist als Trägerin der BFS Verkehrswegbau für deren Betrieb und Finanzierung zuständig. Zudem legt Infra Suisse fest, welche Anforderungen am Ende eines Lernprozesses erfüllt sein müssen und was beim Lehrabschluss geprüft wird.
Weitere Informationen und Anmeldung: verkehrswegbauer.ch
Weiterbildung
Das Angebot am Campus Sursee umfasst praxisorientierte Weiterbildungen für Berufsleute aus dem Bauwesen, die ihre Grundbildung abgeschlossen haben. Die Kurse sind auf den gesamten Karriereweg ausgerichtet. Die Zielgruppen sind angehende Vorarbeiter*innen, Polier*innen, Bauführer*innen, Baumeister*innen und Geschäftsleitende. Beispiele sind die Ausbildung als Baumaschinenführer*in sowie ein spezifisches Modul im Bereich Spezialtiefbau oder in Bezug auf Sicherheitsaspekte. Aktuelle Themen wie Digitalisierung, Nachhaltigkeit und Energiefragen fliessen in die Weiterbildungen ein. Ausserdem werden führungsspezifische Lehrgänge angeboten.
Weitere Informationen und Anmeldung: campus-sursee.ch
Florian Tschümperlin ist Geschäftsführer der BFS Verkehrswegbau in Sursee. Der Baumeister und Projektleiter hat ursprünglich Primarlehrer und dann Maurer gelernt, unter anderem war er später auf organisatorischer Ebene im Strassen- und Tiefbau tätig.
Interview: Anina Rütsche, Bilder: Campus Sursee, BFS Verkehrswegbau